Dschungel Öko-Siegel. GOTS Zertifikat - Ja, Nein, Vielleicht? Was kann es wirklich?

GOTS Zertifikat Nachhaltigkeit Öko-Siegel Textilbranche

Die Vielfalt an Öko-Siegeln und Labels in der Modeindustrie ist groß. Da ist es oft schwer, den Überblick zu behalten. Welche Labels haben unabhängige Standards, welche sind nur Marketingstrategie? Beziehen sich die Standards nur auf den Rohstoff oder auch auf die Produktionsbedingungen für die Arbeiter?
Die Maschinerie hinter den Öko-Siegeln hat einen Trend angenommen der nicht immer gesund ist. Wer ein vermeintliches Ökosiegel kauft, tut nicht zwingend etwas für die Umwelt oder hält ein reines Naturprodukt in den Händen. Ein Zertifikat für ein fertiges Produkt gibt es z.b. von GOTS, auch bei einem 30% Polyester Anteil. Hier handelt sich zwar um eine recycelte Faser, es bleibt aber eine synthetische Faser. 
Bei meiner aktuellen Orderrunde in den Stoffmanufakturen Portugals habe ich mich intensiv mit Siegeln, Farbstoffe und meinen Stand dazu beschäftigt. Als ich lernte, dass mein Stoff das GOTS Siegel bekam, aber nun in Plastik versiegelt gelagert wird, war meine Freude gedämpft. Ware mit dem GOTS Zertifikat dürfen nur in einer Box verschickt werden, die von innen mit Kunststoff beschichtet ist. Wenn ein komplett fertiges Kleidungsstück eben dieses Siegel erhält, darf es nur in einem bestimmten Poly Bag aus recyceltem Plastik geliefert werden. 
Puuuuuuh. Das ist mehr Plastik als mir lieb ist. Eigentlich möchte ich die Ware gern ohne Plastik zugesandt bekommen. Ich möchte auch keine beschichtete Versandbox verwenden. Wenn ein Shop später auf Poly Bags besteht, würde ich gern auf die kompostierbare Alternative zurückgreifen. Die Liste der Anforderungen ist lang, wenn ich das GOTS Siegel behalten möchte. Aber warum ist es so wichtig, dass sich speziell an diese Regeln gehalten wird?
Die Umweltkriterien von GOTS decken folgende Steps der Lieferkette ab - Produktion, Verarbeitung und Herstellung - und sind vorgeschrieben. Die sozialen Kriterien gelten für die bereits erwähnten Punkte und die Handelsphasen. In allen Verarbeitungsstufen von GOTS-zertifizierten Produkten sind gentechnisch veränderte Pflanzen und Schwermetalle und verschiedene andere Chemikalien untersagt. Die Liste ist explizit und nicht interpretationsfähig.
Alle verwendeten Chemikalien müssen zuerst von einem von GOTS zugelassenen Zertifizierer genehmigt werden. In allen Phasen der Lieferkette, dürfen konventionell hergestellte Fasern und die von GOTS zertifizierten Fasern nicht gemischt werden. Hier wird klar, warum ein Lagern in Kunststoffhüllen vorgeschrieben wird.
Während der Verarbeitung und Herstellung, gelten regionale und internationale Umweltanforderungen. Alle Unternehmen müssen regelmäßig Berichte anfertigen um die Anforderungen auch belegen zu können. Dazu gehören Zielvorgaben und -verfahren zur Reduzierung des Energie- und Wasserverbrauchs und zur Minimierung von Abfall.
Während der Nassverarbeitung müssen vollständige Aufzeichnungen über den Chemikalienverbrauch, den Energieverbrauch, den Wasserverbrauch und die Abwasserbehandlung geführt werden. Abwasser unterliegt den örtlichen gesetzlichen Bestimmungen und muss "in einer internen oder externen funktionalen Kläranlage behandelt werden, bevor sie in die Umwelt eingeleitet wird" (GOTS, 2017).
Wenn es um ökologische Anforderungen geht, hat GOTS einen der höchsten Standards in Bezug auf Nachhaltigkeit in Ihrem Zertifizierungssystem. Ein GOTS-Label bedeutet die gesamte Verarbeitung, bis das Endprodukt GOTS-zertifiziert ist. Zum Bespiel kann Baumwollgarn ein Siegel erhalten, aber  wenn dasselbe Garn verwendet wird um einen Stoff in einer nicht zertifizierten Einrichtung zu weben, kann das Endprodukt nicht das GOTS-Etikett tragen.
Im Vergleich zu anderen Systemen ist die GOTS-Zertifizierung hinsichtlich der Überwachung ihrer Kriterien streng. In jeder Phase der Lieferkette werden Vor-Ort-Überprüfungen jährlich von GOTS genehmigten Testinstituten durchgeführt. Unangekündigte Überprüfungen werden durchgeführt, insbesondere in Fällen, in denen ein Risiko festgestellt wurde.
Mein Fazit: Es kann etwas nach GOTS Kriterien gefertigt sein, muss aber damit nicht automatisch das Siegel tragen dürfen. Die strengen Anforderungen und entsprechende Prüfungen haben auch Ihren Preis. Nicht jeder Familien- oder Kleinbetrieb kann es sich leisten. Umso wichtiger ist es, dass Fachpersonal aus der Textilbranche diese Betriebe nicht meidet sondern den Dialog offen hält. Selbst informiert bleibt und, auch außerhalb der Siegelwelt, zu einer nachhaltigeren Branche beiträgt. 
 Eins ist sicher, Ich fühle mich viel sicherer im Umgang mit dem GOTS Siegel. Du auch?

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